Coase - Der Name ist Programm.

Aktualisiert: 2. Apr 2019

Zugegeben, der Name unseres Drinks war am Anfang ein Kunstwort. Umso ironischer ist es, wie perfekt er für unser angestrebtes Ideal eines nachhaltigen Konsum-Produkts steht. Die Idee, das Getränk COASE zu taufen, hatte unser Mitgründer Matthias, als er eines Abends mit Freunden Cola mit Sekt mischte. Ja ihr habt richtig gehört. Cola mit Sekt. Zu späterer Stunde verschwammen die Wörter und die Taufe war perfekt. Mätthi ist schon seit ich ihn kenne Vollblut-Öko und hat mich in der Zeit mit dem Thema sensibilisiert, welche gewaltigen Auswirkungen unsere Konsumgewohnheiten auf unseren Planeten haben.


# 1 Der Fehler im System


Die Konsumenten aber auch die produzierenden Unternehmen bezahlen für die von ihnen verwendeten Ressourcen nicht den korrekten Preis. Die Preise an der Ladentheke sprechen also nicht die Wahrheit.

Ich fing an, mich mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen, als ich unseren Namen „Coase“ bei Google eingab, um zu prüfen, ob schon eine andere Organisation oder Person den Namen verwendete. Das erste Suchergebnis war (und ist bis heute) der britische Ökonom Ronald Coase. Ich fing an zu lesen und fand heraus, dass er mit seinen Überlegungen eine Art Vater der modernen Umweltökonomie ist. In seinem Aufsatz „The problem of social costs“ geht es um die sogenannten externen Kosten. Wir haben in Folge dessen versucht unser gesamtes Produktionssystem so aufzustellen, dass unsere Produktion eben möglichst wenig dieser externen Kosten verursacht.

Da so gut wie kein Produktionsprozess auf der Welt ohne externe Kosten auskommt, ist Ronalds Erkenntnis einfach so bahnbrechend, dass ich sie hier kurz erwähnen möchte.


#2 Was sind externe Kosten?


Externe Effekte sind die Kosten, die bei der Produktion oder beim Konsum von Produkten entstehen, ohne dass wirklich alle Folgekosten in den Kaufpreis eingerechnet werden. Das wahrscheinlich wichtigste Beispiel für das Entstehen externer Effekte ist die globale Erderwärmung. Durch die Verbrennung der Kohlenstoffablagerungen innerhalb kürzester Zeit, die sich jedoch über Millionen von Jahren in der Erdkruste angelagert haben, wird der Kohlenstoffkreislauf unseres Planeten massiv aus dem Gleichgewicht gebracht. Sogar Zentralbanken und Versicherungen arbeiten schon daran, die monetären Auswirkungen dieser Entwicklung zu berechnen.

Klar ist: Auf lange Sicht wird es sehr teuer.


#3 Jede Person oder Organisation sollte auch für die langfristigen Folgekosten ihres Handelns die Verantwortung übernehmen.


Wenn ganze Inseln durch den Anstieg des Meeresspiegels verschwinden oder Landstriche aufgrund von Trockenheit nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden können, haben dafür weder die Öl- und Kohlekonzerne, noch der passionierte Sportwagenfahrer oder Besitzer einer Erdölheizung wirklich bezahlt. Weitere Beispiele für solche Externalisierungen wären die Belastung unseres Grundwassers mit Nitrat oder Pestizidrückständen als Folge industrieller Tierhaltung und agrochemieintensiver Bewirtschaftung. Auch dessen Reinigung wird einmal Milliarden verschlingen.


#4 Was hat das aber nun mit unserem Getränk zu tun?


Nachdem wir den Begriff jetzt geklärt haben, möchte ich nun auf die Risiken und Nebenwirkungen der modernen Landwirtschaft eingehen. Wer mehr zu diesem Thema wissen möchte, dem kann ich die Bücher und Vorträge von Felix zu Löwenstein, einem Agrarökonomen und Bio-Landwirt, sehr empfehlen. Letztlich machte mir seine Darstellung die Tragweite der ganzen Angelegenheit bewusst, weshalb ich beschloss, mich in der Branche zu engagieren. Zusammengefasst sagt er:

Durch die Industrialisierung der Nahrungsmittel- und Konsumgüterproduktion wurde im letzten Jahrhundert massiv menschliche Arbeit durch den Einsatz von Technologie in Verbindung mit fossiler Energie ersetzt. Immer weniger Menschen konnten mit immer größeren Maschinen mehr produzieren. Für die meisten Menschen in unseren Breiten, so muss man sagen, hat diese Entwicklung das Leben erst einmal leichter gemacht. Die Maschinen übernahmen die harte Feldarbeit, künstlicher Dünger und Pestizide steigerten die Erträge. Aber…


#5 Nebenwirkungen


Fast alle der eben genannten Produktionsmittel basieren auf der Verwendung fossiler Rohstoffe. Laut zu Löwenstein verbrauchen wir allein für die Herstellung des Stickstoffdüngers für unsere Felder 320 Liter Erdöl. Pro Hektar! (Deutschland hat etwa 12 Millionen Hektar Ackerland). Hinzu kommen dann noch die fossilen Rohstoffe für Pflanzenschutzmittel, den Sprit für den Traktor, und letztlich die Energie für Verarbeitung, Lagerung und Transport bis unsere Lebensmittel dann bei uns im Supermarkt liegen.

Warum aber ist das kein nachhaltiges System? Die wichtigste Antwort darauf ist sicherlich, dass diese Energie eben nicht aus Solar- und Windkraftwerken stammt, sondern aus den Kohlenstoffreserven unseres Planeten. Im Klartext sichert also kein stabiler Kreislauf unser heutiges Ernährungssystem, sondern die Energiereserven der Vergangenheit, deren Verbrennung ganz nebenbei zur globalen Erwärmung und den damit verbundenen Problemen führt. Vom energetischen Aspekt einmal abgesehen bringt der Einsatz der oben genannten Produktionsmittel massiv die Nährstoffkreisläufe aus dem Gleichgewicht und schädigt, im Falle des Pestizideinsatzes, Biodiversität und Ökosysteme, worauf ich aber an dieser Stelle nicht mehr eingehen möchte.


#6 Das Coase-Theorem


Jetzt aber wieder zurück zu unserem Ronald Coase. Wenn die besagten Kosten, der genannten Umweltprobleme, nicht in den Preisen enthalten sind, die wir Konsumenten zahlen, spricht Ronald Coase von sogenanntem Marktversagen. Wie aber kann es in unserem vermeintlich so effizienten System zu einem solchen Fehler kommen? Effiziente Märkte sind doch der Garant für die Wohlstandsmehrung der Gesellschaft – so steht es zumindest im Lehrbuch. Die Antwort ist einfach: Die Produzenten können dadurch heute mit ihren Produkten mehr Geld verdienen und die Konsumenten finden im Supermarkt Lebensmittel, die so günstig sind, wie niemals zuvor. Da bleibt nur die Frage, wer dann am Ende die Zeche zahlt. Stark vereinfacht sieht Ronalds Lösung für das Externalitäten-Problem vor, das die Geschädigten der Umweltprobleme dem Schädiger Geld bezahlen, damit der dann durch seine wirtschaftliche Tätigkeit weniger Schaden verursacht. In der Theorie führt das dazu, dass am Ende beide Seiten bessergestellt sind. In der Realität stellt sich die Umsetzung der Idee aber als schwierig dar, weil Schädiger und Geschädigter (meist eine Vielzahl von Personen) gar nicht in der Lage sind, an einen Tisch zu kommen, um die Ausgleichszahlung zu verhandeln. Wie unser Ron auch später einräumte liegt das wiederrum an den sogenannten Transaktionskosten. Schaut man sich an, wie viele Menschen den Klimawandel verursachen und wie viele dessen Folgen spüren werden, kann man sich leicht vorstellen, wie schwierig diese Verhandlung in der Realität sein würde.

Der Grundgedanke der Bio-Lebensmittelbranche, dass Konsumenten freiwillig mehr für Ihre Lebensmittel zahlen, damit die Landwirte dafür ökologischer wirtschaften können ist, wie ich finde, von der Coase-Idee gar nicht so weit entfernt. Gewissermaßen ist es der freiwillige Interessenausgleich, den Ronald zur Lösung des Problems vorgeschlagen hat.


#7 Fazit


Was habe ich aus all dem mitgenommen? Es ist kein Geheimnis, dass wir in allen Bereichen, ob in Landwirtschaft, Wärmeerzeugung oder im Verkehr, Lichtjahre davon entfernt sind, unsere Bedarfe aus erneuerbaren Quellen zu decken. Für mich als junger Mensch, der diesen Planeten gerne noch einige Jahrzehnte bewohnen möchte heißt das: Wir müssen in erster Linie weniger Energie und Ressourcen verbrauchen, um damit unseren eigenen Konsum-Fußabdruck rapide zu senken.

Uns ist aufgefallen, dass man ein Getränk, das für genau diesen Gedanken steht, in der Disco oder in der Kneipe um die Ecke einfach noch nicht findet. Deshalb haben wir uns aufgemacht, um das zu ändern. Umweltneutraler Konsum! Das war schon immer der Anspruch, den wir an unsere Coase hatten. Für den Coase-Nachhaltigkeitsbeauftragten ist das die Aufgabe unserer Generation!


Euch allen ein erfolgreiches und hoffentlich bewegendes Jahr 2019!


Euer Michael


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