Warum Wein aus Limo-Flaschen? Darum...

Aktualisiert: 2. Apr 2019

Um die Frage, ob Einweg- oder Mehrwegflaschen die bessere Ökobilanz aufweisen, wird seit langem ein Glaubenskrieg geführt. Die zur Verfügung stehenden Studien sind leider nicht gerade unabhängig. Bei den meisten Arbeiten zu diesem Thema stimmen die Position des Auftraggebers und das Studienergebnis überein. Ob Mehrwegpool-Flaschen (z.B. Bierflaschen) oder bepfandete Individualflaschen (z.B. Coco Cola) verwendet werden und wie regional der Spül- und Abfüllstandort des Herstellers ist, beeinflussen die Bilanz zudem enorm.


# Zwei Grundannahmen kann man jedoch treffen:


Erstens sollte Glas aufgrund seines hohen Gewichts möglichst wenig transportiert werden. Unsere 0,33 Liter Coase-Flasche ist mit ca. 300 Gramm leider fast genauso schwer, wie der Flascheninhalt. Zweitens sollte das Glas möglichst selten wieder eingeschmolzen werden, da zum erreichen der Schmelztemperatur von 1400 Grad Celcius enorme Energiemengen benötigt werden. Hinzu kommt der Ressourcenaspekt, denn die Recyclingquote bei Weißglas liegt nur bei etwa 60 Prozent, weshalb immer wieder Material in den Kreislauf zugeführt werden muss. Einwegflaschen sind also aufgrund des hohen Energieaufwands bei der Glasherstellung problematisch. Genauso wenig vorteilhaft ist es aber, wenn Hersteller ihre Getränke in Pfandflaschen und Pfandkisten in alle Welt verschicken.


# Was ist dann aber die Lösung?


In Deutschland gibt es zum Glück seit einiger Zeit sogenannte Mehrweg-Pool-Systeme. Dazu gehören zum Beispiel die 0,75 Liter Sprudelflaschen der Genossenschaft Deutscher Brunnen, die Saftflaschen des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie und eben auch unsere 0,33 Liter Standard-Longneckflasche, die hauptsächlich von Brauereien und Limonadenherstellern genutzt wird. Der große Vorteil ist dabei, dass man Coase-Flaschen bei jedem Supermarkt und jedem Getränkehändler in Deutschland problemlos zurückgeben kann. Von dort aus gelangt unsere Flasche dann zum nächsten Abfüllbetrieb, der auch unsere Flaschenform verwendet und muss damit nicht zwingend den Weg zu uns zurück finden. Das spart in der Regel eine Menge LKW-Kilometer, damit Energie und so Emissionen.

Der zweite Vorteil ist, dass man die Flasche mehrfach verwenden kann. Die meisten Schätzungen liegen zwischen 30-40 möglichen Umläufen pro Gebinde. Selbst wenn es aber nur 10 oder 20 sind, da einem von euch die Flasche mal wieder im Suff aus der Hand gefallen ist, wurde im Vergleich zur Einwegflasche immer noch eine Menge Energie gespart.


# Warum aber gibt es ein solches System nicht für Weinflaschen?


Und warum sind Weinflaschen überhaupt pfandfrei? Die Wiener Umweltberatung errechnet für die Herstellung einer 1-Liter Weinflasche einen Energieverbrauch von ca. 2 kWh. Eine Mehrwegflasche kommt hingegen dank mehrfacher Nutzung nur auf einen Verbrauch von 0,07 kWh. Grund für diese enorme Abweichung ist die gigantische Menge an thermischer Energie, die für das Schmelzen von Glas notwendig ist. Bei einem Verbrauch von 25 Flaschen Wein pro Bundesbürger im Jahr kommt bei dieser Differenz allein in Deutschland eine Energiemenge zustande, die ein Kohlekraftwerk mit 400 Megawatt Leistung unter Volllast jährlich produzieren kann. Kritiker dieser Rechnung verweisen an dieser Stelle gerne auf die Energie für den Rücktransport und die Reinigung der Pfandflaschen. Das Einsparpotenzial sollte dennoch immens sein.


# Und warum dann keine Pfandplicht bei Wein?


Irgendwie haben es die Weinhersteller trotzdem geschafft, sich die Pfandpflicht bisher vom Hals zu halten. Das Argument, welches ich in diesem Zusammenhang am häufigsten höre ist, dass Wein ja ein Luxusgut sei und dass man ihn deshalb nicht an eine Standardflasche binden könne. Das halte ich für eine gewagte These, da die Hälfte aller Deutschen ihren Wein ohnehin beim Discounter kauft und der Durchschnittspreis dort unter 3 € pro Flasche liegt. Gute Lobbyarbeit und mangelnder Reformwille von Seiten der Großerzeuger ist da wohl eher der wahre Grund.


# Fazit


Gerade bei regionalem Vertrieb, wie in unserem Fall, sind Mehrwegflaschen sinnvoll. Die Verwendung von Mehrweg-Pool-Flaschen verstärkt den positiven Effekt noch einmal, da so auf den Rücktransport zum Erstinverkehrbringer verzichtet wird und die Flasche dort wiederverwendet wird, wo sie auf ihrem Weg gelandet ist.

Die Herstellung von Einweg-Glasflaschen ist mit sehr hohem Energieaufwand verbunden. Da ein Ausstieg aus allen fossilen Energien in absehbarer Zeit vollzogen werden muss, sollte die Bundesregierung die Auswirkungen einer Pfandpflicht-Einführung objektiv prüfen lassen und das Ergebnis dann auch konsequent umsetzen. Dass sich beim Thema Einweg-Glasverpackungen generell hohe energetische Einsparpotenziale heben lassen, halte ich für sehr wahrscheinlich.

Ich bin fest davon überzeugt, dass sich der durch unseren verschwenderischen Lebensstil hervorgerufene Energieverbrauch auf Dauer nicht mit den CO2-Vorgaben des Pariser Klimaabkommen vereinbaren lässt. Für die heute gängige Praxis, eine Verpackung aus Glas zu produzieren, um sie dann lediglich ein einziges Mal zu verwenden, wird im Energiebudget der Gesellschaft der Zukunft kein Platz mehr sein. Wir sollten also jetzt handeln und unsere Systeme umstellen. Dass das möglich ist, wurde ja bereits bei der letzten großen Pfandreform von 2003 unter Beweis gestellt.



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